Helmut Creutz 

Häufige Fragen

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen.


(1) Frage: Warum sind die Kreditzinsen immer noch so hoch, obwohl die Banken doch für das Geld der Bundesbank, das sie weiter verleihen können, nur noch ein bzw. sogar nur dreiviertel Prozent Leitzinsen zu bezahlen brauchen?

Antwort: Hier ist zu beachten, dass die Banken das Zentralbankgeld der Bundesbank normalerweise nur zum Auffüllen ihrer Zentralbankgeld-Bestände erhalten. Diese ZBG-Bestände – im Juni 2012 z. B. 270 Mrd. € – sind jedoch in der umlaufenden Bargeldmenge sowie den vorgeschriebenen Mindestreserven gebunden. Die von den Banken vergebenen Kredite – 2012 rund 5.300 Mrd. – stammen dagegen aus den Einlagen der Sparer. D. h., die Kreditzinsen orientieren sich an den Forderungen der Geldeinleger und können nur in dem Umfang sinken, wie das bei den Guthabenzinsen der Fall ist!


(2) Frage: Ich habe gelesen, dass die Banken seit einem halben Jahr soviel Geld von der EZB bekommen können wie sie wollen. Damit müssten ihnen doch auch zusätzliche Kreditvergaben möglich sein?

Antwort: Die den Banken seit Ende 2007 zur Verfügung gestellten zusätzlichen Zentralbankgeldbestände (Ende 2012 in Deutschland etwa 440 Mrd.) sollen vor allem die Bankgeschäfte zusätzlich absichern und den Interbankenverkehr beleben. Deshalb wurden diese Milliarden von den Banken bislang auch kaum für Kreditvergaben genutzt, sondern sogar zur Minderung der dafür zu zahlenden geringen Zinsen, jeweils über Nacht wieder bei der Zentralbank geparkt.


(3) Frage: Verschiedentlich wurde in der Presse darüber berichtet, dass die amerikanische wie auch die britische Notenbank, durch den Ankauf von Wertpapieren, direkt zusätzliches Geld in die Wirtschaft geben. Auch die EZB soll ähnliche Schritte erwägen. Muss eine solche Ausweitung der Geldmenge nicht zwangsläufig zu Inflationen führen?

Antwort: Zweifellos ist eine solche Ausweitung der Geldmenge durch Ankauf mit Inflationsgefahren verbunden. Deshalb halten sich die Notenbanken auch die Möglichkeit offen, dieses Mehrgeld durch Verkauf der erworbenen Wertpapiere wieder aus dem Umlauf herauszuziehen, auch wenn solche Geschäfte möglicherweise mit Verlusten verbunden sind.

Manchmal wollen die Zentralbanken mit dieser vorübergehenden Vermehrung der Geldmenge jedoch auch die Bargeldhortungen ausgleichen und damit dem Entzug von Geld aus dem Kreislauf entgegenwirken, zu dem es als Folge des Angstsparens und verstärkt noch durch die niedrigen Guthabenverzinsungen häufig kommt.


(4) Frage: In der Presse ist immer wieder von drohender Inflation und sogar Deflation die Rede. Aber so etwas kann doch nur bei zu großen bzw. zu geringen Ausweitungen der Geldmenge vorkommen. – Warum wird die Geldmenge denn nicht genauer von den Notenbanken kontrolliert?

Antwort: Das Problem der Notenbanken ist, dass sie eine Sache steuern müssen, deren Wirksamkeit sie nicht ausreichend beurteilen können. Zwar ist ihnen die Menge des ausgegebenen Geldes bekannt, nicht jedoch wie viel davon tatsächlich in der Wirtschaft kursiert und damit preiswirksam ist. –

Um dieses grundsätzliche Dilemma und damit auch Inflation und Deflation zu überwinden, wird deshalb von der Geldreformbewegung die Einführung einer Gebühr auf die Geldhaltung gefordert. Mit solchen zeitbezogenen Geldhalte-Kosten würde die regelmäßige Frei- und Weitergabe des öffentlichen Zahlungsmittels Geld ähnlich erreicht, wie das z. B. bei den öffentlichen Parkplätzen mit den zeitbezogenen Parkgebühren der Fall ist. Als Folge würden die positiven Zinsen, die man heute durch Verknappung des Geldangebotes ständig erpressen kann, im Gleichschritt mit den Sättigungen auf den Märkten gegen null absinken und schließlich um diese verteilungsneutrale Größe pendeln.


(5) Frage: Häufig ist zu lesen, dass auch die Geschäftsbanken die Geldmenge durch Kreditvergaben vermehren können. Wenn das tatsächlich der Fall ist, müssten wir dann nicht längst eine galoppierende Inflation haben?

Antwort: Diese galoppierende Inflation hätten wir tatsächlich, wenn diese Vermehrungs-Annahme zutreffend wäre! – Wie jedoch aus allen Bankstatistiken hervorgeht, nahmen und nehmen die Kreditvergaben immer nur im Gleichschritt mit den Ersparnissen zu, die allerdings seit 1950 – bedingt vor allem durch Zins und Zinseszins – etwa sechs bis acht Mal schneller als die Wirtschaftsleistung angewachsen sind. Und was die tatsächlich vorhandene Inflation betrifft, die seit 1950 durchschnittlich etwa bei 3% gelegen hat, so ist diese unter den heutigen Gegebenheiten als „Umlaufsicherung“ des Geldes unverzichtbar. Das zeigt auch die von der EZB eingeplante Inflation von"„nahe aber unter zwei Prozent"!
 
Und was die Geldmenge anbetrifft: Durch die ständig wiederholbaren Ersparnisvorgänge und die daraus möglichen Kreditvergaben wird diese genau so wenig vermehrt wie durch die ständig wiederholbaren Kaufvorgänge!


(6) Frage: Im Zusammenhang mit der Banken- und Finanzkrise wird immer wieder von vernichteten Geldbeträgen in Milliardenhöhen berichtet. Wie kann man sich das eigentlich vorstellen? Haben da tatsächlich Leute ihr Geld verbrannt?

Antwort: Nach Auskunft der Bundesbank hat zwar jeder Geldbesitzer das Recht die in seinen Besitz befindliche Geldscheine zu verbrennen oder auf andere Weise zu vernichten, aber in Wirklichkeit dürfte das wohl kaum jemand tun, schon gar nicht in Milliardenhöhen. Mit dieser Dramatisierung will man also wohl umschreiben, dass es bei Banken, sowohl durch Spekulanten als auch eigene Spekulationen, zu großen Forderungs-Ausfällen und Verlusten kommen kann. Doch wo es Verluste gibt, hat es in gleicher Höhe meist auch Gewinner gegeben! Das gilt nicht nur für Geldeinsätze bei riskanten Wetten oder in den Sälen eines Spielcasinos, sondern ebenso bei allen Geschäften über Banken und Börsen, auch wenn hier das Zurückverfolgen der einzelnen Verluste wie Gewinne, aufgrund der Vielzahl der Stufen, Verschachtelungen und Zeitverschiebungen, oft kaum noch möglich ist.


(7) Frage: Im Internet las ich von einem Wirtschaftswissenschaftler namens Buiter, der einen Minuszins beim Ausleihen von Geld vorgeschlagen hat. Das ist natürlich toll, wenn ein Kreditnehmer, der sich 100 Euro oder Dollar leiht, nach einem Jahr nur 95 zurückzugeben braucht. Aber wer würde dann noch Geld verleihen?

Antwort: Dieser Vorschlag eines Minuszinses bezog sich nicht auf die normalen Bankkredite, sondern auf die der Zentralbank an die Banken, die ja bekanntlich, trotz der heutigen niedrigen Zentralbankgeld-Zinsen, im Interbankengeschäft meist zu vorsichtig und zu zögerlich sind! Doch während ein solcher Minuszins bei den Geldausgaben der Zentralbank noch halbwegs denkbar wäre, ist er bezogen auf den normalen Kreditmarkt in der Wirtschaft völlig irreal. Hier müsste man vielmehr genau umgekehrt vorgehen! Das heißt, nicht die Kreditbestände sondern die Geldhaltung bzw. -zurückhaltung mit Kosten belasten! – Die FAZ schrieb deshalb in Ihrem Artikel zu obigem Bericht: "Solange ... das Horten von Geld nicht bestraft wird, zum Beispiel durch eine Steuer, sind negative nominale Notenbankzinsen ausgeschlossen."


(8) Frage: Was ist von den Auffassungen der Professoren zu halten, die gegen die in der Politik beschlossene Abbremsung der Staatsverschuldung protestiert haben?

Antwort: Vordergründig sind die geäußerten Bedenken richtig, doch alle Volkswirtschaften sind immer gezwungen ihre Schulden im gleichen Umfang auszuweiten, wie die Ersparnisse zunehmen! Das heißt, alle Ersparnisse können nicht nur, sondern müssen über Kredite wieder in den Kreislauf zurückgeschleust werden, wenn die Wirtschaft nicht unter Geldmangel leiden soll! Und dabei steht der Staat in einer besonderen Pflicht! – Das hatte bereits 1987 Professor Rüdiger Pohl, langjährige Mitglied des Sachverständigenrates, in der Wochenzeitung "DIE ZEIT" geschrieben:

"Wenn die Kapitalnachfrage der Unternehmen wegen der schwachen Investitionsneigung gering bleibt, dann muss der Staat das am Markt entstehende Kapitalüberangebot aufnehmen, weil anderenfalls eine deflationäre Wirtschaftsentwicklung einsetzen würde."

Auf diese Hintergründe und Zwänge gehen jedoch die protestierenden Professoren leider nicht ein. Noch weniger auf die Ursache dieses Dilemmas, nämlich die dauernd positiven und über den Wachstumsraten liegenden Zinssätze! Dabei haben wir dieser Fehlkonstruktion im monetären Bereich die ganzen Miseren unserer Tage zu verdanken!


(9) Frage: Wird bei den so genannten Offenmarktgeschäften, Zentralbankgeld gegen Wertpapiere, letztlich das Zentralbankgeld ohne (Leit)Zinsen, also sozusagen zinsfrei herausgegeben?

Antwort: Von Offenmarktgeschäften spricht man, wenn eine Zentralbank selbst direkt an den Markt geht und Werte kauft oder verkauft (z.B. Wertpapiere, Gold oder Devisen). Damit wird jeweils zusätzliches Geld auf Dauer oder für festgelegte Zeiträume in Umlauf gebracht. – Leitzinsen spielen dagegen nur dann eine Rolle, wenn die ZB – gegen Wertpapiere o. ä. als Pfand – den Banken auf deren Initiative hin Zentralbankgeld ausleiht, z. B. für drei Monate, eine Woche oder auch nur für einen Tag.

Soweit diese Ausleihungen zur Auffüllung der vorgeschriebenen Mindestreserven benutzt werden, werden diese gezahlten Zinsen im Eurobereich sogar den Banken wieder erstattet, damit sie keine Wettbewerbsnachteile gegenüber Banken haben, die – wie in anderen Währungsbereichen oft der Fall – keine Mindestreserven kennen und zahlen müssen.


(10) Frage: Sie plädieren immer wieder für eine Umlaufsicherung für das Geld und eine Absenkung der Zinsen. Was aber sollen die Rentner machen, wenn sie keine Erträge aus Zinsen mehr erhalten? Sollen sie ihr angespartes Vermögen aufzehren? Langt es? Wieviel muss man haben?

Antwort: Sieht man von Beamten und Sozialhilfe-Empfängern ab, dann stammt der Lebensunterhalt der Ruheständler überwiegend aus der staatlich organisierten Rentenversicherung oder aus privaten selbst angesparten Lebensversicherungen. Von der Verzinsung ihrer Vermögen lebt dagegen nur eine Minderheit, die dann auch über so hohe Vermögen verfügen muss, dass deren Aufzehrung in den meisten Fällen für ihre Versorgung reicht. Außerdem ist zu beachten, dass mit einer Absenkung der Zinsen auch die Kosten der Haushalts-Ausgaben sinken, die heute im Durchschnitt zu 30 bis 40 Prozent durch Zinsen verteuert sind.


(11) Frage: Wie vermehrt sich eigentlich gespartes Geld? Ist das ohne Geldschöpfung möglich?

Antwort: Zur Vermehrung der Ersparnisse kommt es sowohl durch eigene Sparvorgänge als auch durch die Zinsgutschriften, die von den Kreditnehmern an die Banken gezahlt und von diesen – nach Abzug der Bankmarge – an die Sparer weiter gegeben werden. Die Menge des dabei benutzten Geldes verändert sich jedoch durch diese ständig wiederholbaren Spar- und Kreditvergabe-Vorgängen ebenso wenig, wie das bei den laufend getätigten und wiederholbaren Kaufvorgängen der Fall ist.


(12) Frage: Ich kann mir mit den derzeit niedrigen Zinsgewinnen bei Bankanlagen die astronomischen Zuwächse der Geldvermögen nicht erklären. Ich vermute, dass diese vor allem durch die hohe Kapitalrendite verursacht werden, die ja nach Zeitungsmeldungen zwischen 16 und 20 Prozent liegt.

Antwort: Die von Ihnen genannten hohen Renditen hat es in den vergangenen Jahren nur vorübergehend bei einem kleinen Teil der Aktienbestände gegeben, die jedoch insgesamt wiederum nur etwa ein Fünftel der Geldvermögen in Deutschland ausmachen. Problematischer sind die von Ihnen angesprochenen Zinsgewinne aus Bankein- und -anlagen, die im Jahr 2007 bei 327 Mrd gelegen haben. Rechnerisch ergibt dies zwar für jeden Haushalt im Durchschnitt ein Einkommen von 8.600 Euro, dem allerdings – wiederum im Durchschnitt – auch eine gleich hohe Zinsbelastung in allen Preisen und Ausgaben gegenübersteht!

Entscheidend ist also immer der jeweilige Anteil an den zins- bzw. gewinnbringenden Vermögenswerten im Verhältnis zu den jeweiligen Ausgaben! – Der Saldo daraus fällt aber bei 80 bis 90% der Haushalte negativ aus und inzwischen nur noch bei dem reichsten Zehntel positiv! Das heißt, diese erhalten im Laufe eines Jahres ein Vielfaches jener Zinsen, die sie selbst eingezahlt haben, auf Kosten aller anderen! – Deshalb auch die ständig zunehmende Scherenöffnung zwischen Arm und Reich!


(13) Frage: Wenn man die Absenkung der Zinsen zur Lösung der Probleme fordert, wird heute oft mit dem Hinweis auf Japan gekontert. Dort gäbe es ja bereits niedrige Zinsen und man könne sehen, wohin das führt. – Wie kann man auf solche Einwände reagieren?

Antwort: Niedrige Zinsen sind nur dann positiv, wenn mit ihnen keine Geldzurückhaltungen verbunden sind. Denn diese Geldzurückhaltungen führen zu Rezessionen und Deflationen, wie wir in Japan erleben konnten. – Eingeleitet wurde dieser Rezessionsprozess bereits vor fast zwanzig Jahren – ähnlich wie später in den USA – mit einem Immobilienboom und einer fast schon irrealen Bodenspekulation. Dabei stiegen die Preise im Zentrum Tokios zeitweise bis zu einer halben Million Dollar je qm an. Und als schließlich die Bodenwerte auf weniger als ein Fünftel einbrachen, gerieten die Banken in riesige Verluste und Zahlungsunfähigkeiten.


(14) Frage: Wirken sich Inflation, Negativzinsen und Umlaufsicherungsgebühren nicht auf gleiche Weise aus?

Antwort:

Inflationen verändern das gesamte Preisgefüge in einer Wirtschaft, einschließlich aller Kalkulationen, Vorausplanungen usw. und führen u. a. zu erheblichen Kaufkraftverlusten aller Geld- und Geldvermögensbestände. Während diese jedoch bei den Vermögensbesitzern über Anhebungen der Zinssätze meist sehr schnell ausgeglichen werden können, treffen die negativen Folgen jeder Inflation alle Lohn-, Gehalts- und Rentenempfänger besonders hart. Denn deren Kaufkraftverluste werden überwiegend erst nach Jahresfrist durch tarifliche Lohnanhebungen u. ä. nach und nach ausgeglichen.

Negativzinsen, von der Europäischen Zentralbank (EZB) verhängt, betreffen wiederum nur jene Zentralbankgeldbestände, die über die vorgeschriebenen Mindestreserven hinaus bei der EZB gehalten werden. – Beträge, die normalerweise über Jahrzehnte hinweg praktisch bei Null lagen und nun in unseren Tagen – den Banken als zusätzliche Sicherheiten zur Verfügung gestellt! – bei der EZB geparkt werden (s. meinen Artikel "Negativzins oder Zinssenkung durch Umlaufsicherung" in HUMANE WIRTSCHAFT 2/2013). – Negativzinsen auf die Sichtguthabenbestände der Bankkunden sind dagegen überflüssig, weil die darauf geparkte Kaufkraft von den Banken, in deren eigenem Interesse, sehr schnell über Kredite wieder in den Umlauf zurückgeführt werden.

Die Umlaufsicherungsgebühren (USG) verändern dagegen an den gegebenen Verhältnissen in der Wirtschaft nichts, sondern sorgen "nur" für einen verstetigten Geldumlauf und beziehen sich damit auf die überschüssigen Bargeldhaltungen in den Händen der Wirtschaftsteilnehmer. D. h., bei der Umlaufsicherungsgebühr handelt es sich um Kosten, die jeder selbst vermeiden bzw. auf ein Minimum vermindern kann.